Angekommen – und trotzdem noch nicht da 

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Von Kofferchaos, innerem Dauerlauf und dem Moment, an dem wir plötzlich  wieder merken, wie schön das Licht eigentlich ist !

Ein Gastbeitrag von Linda Schober

Über den Autor

Gastautor Linda Schober

Linda Schober ist Mitgründerin des Reiseveranstalters Wellturana.de, spezialisiert auf  Wellness-, Genuss- und Aktivreisen in Deutschland und Europa. Zuvor war sie in  leitenden Positionen für renommierte Reiseveranstalter tätig, verantwortete unter  anderem große Hoteleinkaufsteams und hat im Laufe ihrer Karriere mehr als 2.000  Hotels persönlich besucht und touristisch entwickelt. Ihre journalistischen Wurzeln  liegen beim Heinrich Bauer Verlag; bis heute ist sie immer wieder redaktionell und  journalistisch tätig.


Die Vorfreude ist riesig. Seit Wochen freust du dich auf diesen Urlaub, hast Bilder vom  Hotel angeschaut, Restaurants gespeichert, vielleicht Wanderungen herausgesucht  oder überlegt, welche Bücher endlich mit in den Koffer dürfen. Nur die letzten Tage  vor der Abreise haben leider wenig mit Vorfreude und ziemlich viel mit  Hochleistungssport zu tun. 

Noch schnell alles fertig machen. Im Job nichts liegen lassen. Wäsche waschen. Koffer  packen. Ladegeräte suchen. Medikamente einstecken. Hat jemand die Blumen? Ist die  Katze versorgt? Brauchen wir für die Strecke eine Vignette? Sind die Tickets wirklich  heruntergeladen? Und war da nicht noch diese eine Sache, die unbedingt vor dem  Urlaub erledigt werden musste? 

Eigentlich wollen wir runterfahren – und drehen unmittelbar vorher noch einmal  richtig auf. 

Dann geht es endlich los. Nach ein paar Stunden kommt man an, schleppt die Taschen  ins Zimmer, öffnet die Balkontür und schaut auf genau die Landschaft, auf die man  sich so lange gefreut hat. Alles wäre bereit für dieses wunderbare Urlaubsgefühl. 

Nur man selbst irgendwie noch nicht. 

Der Kopf arbeitet weiter. Beim Abendessen fällt einem die Mail ein, die man am letzten  Arbeitstag verschickt hat. Im Bett wird plötzlich darüber nachgedacht, ob zu Hause  wirklich alle Fenster geschlossen sind. Am nächsten Morgen ist man um halb sieben  wach, obwohl niemand einen Wecker gestellt hat. Und beim Frühstück wandert die  Hand zum Handy, noch bevor man überhaupt bemerkt, dass man es tut. 

Zwei Tage später steht man wieder vor dem Hotel und entdeckt plötzlich diesen  großen Blumenkübel neben dem Eingang. War der vorher auch schon da? Natürlich  war er das. Man ist schließlich schon mehrfach daran vorbeigelaufen. Auf einmal fällt  auf, wie schön am späten Nachmittag das Licht über die Hauswand wandert. Man  bleibt nach dem Frühstück länger sitzen, läuft langsamer, atmet tiefer und muss nicht  mehr alle zwanzig Minuten wissen, wie spät es eigentlich ist. 

Irgendwo zwischen Ankommen und diesem Moment ist etwas passiert. Der Urlaub hat endlich begonnen. 

Der Körper kennt keinen Anreisetag 

Auf dem Papier ist die Sache eindeutig. Der Urlaub beginnt am Montag. Das Hotel ist  gebucht, die Abwesenheitsnotiz aktiviert, der Koffer gepackt. Für unseren Körper ist  das offenbar weniger klar. 

Denn wir nehmen nicht nur unsere Kleidung mit auf Reisen, sondern auch den  Rhythmus der vergangenen Wochen. Wer über längere Zeit viel organisiert,  entscheidet und reagiert hat, hört damit nicht automatisch auf, sobald an der  Autobahn das erste Schild zum Urlaubsort auftaucht. Das Nervensystem ist weiterhin 

auf Aufmerksamkeit eingestellt. Der Kopf sucht nach dem nächsten Punkt, weil er  genau das zuletzt ständig tun musste. 

Im Alltag kann sich dieser Zustand erstaunlich normal anfühlen. Wir merken nicht  unbedingt, wie angespannt wir geworden sind. Wir merken nur, dass noch etwas  erledigt werden muss. Danach noch etwas. Und dann noch etwas. Auf eine Nachricht  folgt die nächste, während im Hintergrund bereits der morgige Tag organisiert wird. 

Erst wenn diese Anforderungen plötzlich fehlen, wird sichtbar, wie schwer es geworden  ist, einfach nichts zu tun. 

Deshalb ist der erste Urlaubstag manchmal auch ein wenig seltsam. Da ist endlich Zeit  – und wir wissen zunächst gar nicht recht, wohin mit ihr. Also machen wir das, was  wir gut können: Wir organisieren. 

Wann frühstücken wir morgen? Welche Wanderung nehmen wir? Wo essen wir  abends? Wann gehen wir in die Sauna? Wollen wir vorher noch in die Stadt? Ein freier  Tag kann innerhalb weniger Minuten erstaunlich professionell durchgetaktet werden. 

Das ist nicht schlimm. Aber es erklärt vielleicht, warum Ortswechsel und Erholung  nicht dasselbe sind. 

Abschalten bedeutet mehr, als den Laptop zuzuklappen 

In der Erholungsforschung gibt es dafür einen ziemlich treffenden Begriff:  psychological detachment, also die Fähigkeit, sich in der Freizeit gedanklich von  der Arbeit zu lösen. Gemeint ist eben nicht nur, dass der Rechner geschlossen bleibt.  Entscheidend ist, ob wir innerlich ebenfalls Abstand gewinnen. 

Studien zeigen seit Jahren, dass dieses mentale Abschalten eine wichtige Rolle für  Erholung und Wohlbefinden spielt. Hohe Arbeitsbelastung kann das Abschalten  erschweren; umgekehrt hängt eine bessere gedankliche Distanz zur Arbeit unter  anderem mit weniger Müdigkeit und positiverer Stimmung zusammen. 

Das passt auch gut zu dem, was sich im Urlaub beobachten lässt. Man kann mit einem  Buch am Pool liegen und gleichzeitig gedanklich eine komplette Arbeitswoche  durchspielen. Äußerlich sieht das sehr erholt aus. Innerlich findet die Besprechung von  Mittwochvormittag gerade zum vierten Mal statt. 

Bis das aufhört, braucht es manchmal Zeit. 

Und vielleicht sollten wir uns diese Zeit auch zugestehen, statt am ersten Abend  enttäuscht festzustellen, dass die große Tiefenentspannung noch nicht eingesetzt hat. 

Vielleicht brauchen wir nicht mehr Urlaub – sondern weniger  Programm 

Gerade in der Reisebranche ist das ein interessanter Widerspruch. Natürlich lieben wir  besondere Leistungen. Ein schönes Spa, eine gute Massage, ein großartiges  Abendessen, eine geführte Wanderung oder ein außergewöhnlicher Ausflug können  einen Aufenthalt enorm bereichern. 

Nur kann auch Erholung irgendwann zum Terminplan werden. 

Frühstück bis neun, Yoga um zehn, Massage um elf, anschließend drei Stunden  Therme, um vier die gebuchte Anwendung und um halb sieben bitte pünktlich zum 

Abendmenü. Auf dem Papier liest sich das nach einem perfekten Wellnesstag. Für  jemanden, der gerade aus Wochen voller Termine kommt, fühlt es sich möglicherweise  verdächtig vertraut an. 

Bei der Zusammenstellung von Reisen beschäftigt mich deshalb längst nicht mehr nur  die Frage, was man Gästen noch zusätzlich bieten kann. Mindestens ebenso wichtig ist  die Frage, wo genug Raum für echte Erholung bleibt

Ein wirklich guter Aufenthalt muss nicht jede Stunde rechtfertigen. 

Vielleicht macht man die geplante Wanderung heute nicht. Vielleicht sitzt man  stattdessen zwei Stunden auf der Terrasse. Vielleicht schläft man am Nachmittag ein,  obwohl draußen strahlender Sonnenschein ist. Vielleicht bleibt man nach dem  Frühstück einfach sitzen, weil das Gespräch gerade schön ist. 

Das ist keine vergeudete Urlaubszeit. Im Gegenteil: Es könnte genau die Zeit sein,  wegen der man überhaupt weggefahren ist. 

Warum werden manche Menschen ausgerechnet im Urlaub krank?

Und dann gibt es noch diese besonders gemeine Variante des Abschaltens. 

Man hält wochenlang durch. Kein Schnupfen, keine Kopfschmerzen, keine Zeit zum  Kranksein. Die letzten Termine werden erledigt, die Abwesenheitsnotiz geht raus –  und am ersten oder zweiten Urlaubstag wacht man mit schwerem Kopf, bleierner  Müdigkeit oder einem kratzenden Hals auf. 

„Typisch. Kaum habe ich Urlaub, werde ich krank.“ 

Dieser Satz ist so verbreitet, dass man ihn fast für eine Volksweisheit halten könnte.  Tatsächlich wurde das Phänomen wissenschaftlich untersucht und bekam sogar einen  Namen: Leisure Sickness

In einer niederländischen Pilotstudie erkannten sich rund drei Prozent der Befragten in  der Beschreibung wieder, regelmäßig an Wochenenden oder im Urlaub Beschwerden  zu entwickeln. Genannt wurden unter anderem Kopfschmerzen, Müdigkeit,  Muskelschmerzen und bei Urlaubsreisen auch erkältungsähnliche Erkrankungen.  Auffällig waren bei Betroffenen eine hohe empfundene Arbeitsbelastung, ein starkes  Verantwortungsgefühl und Schwierigkeiten beim Wechsel von Arbeit zu Freizeit. Die  Studie liefert allerdings keine einfache biologische Erklärung dafür, warum jemand  nach einer Stressphase tatsächlich krank wird. 

Der gern erzählte Satz „Der Körper wird krank, weil er endlich loslassen darf“ klingt  also schöner, als er wissenschaftlich belegt ist. 

Trotzdem steckt darin eine interessante Beobachtung. Solange wir funktionieren,  überhören wir Müdigkeit manchmal erstaunlich erfolgreich. Wenn der Druck  verschwindet, wird plötzlich spürbar, was vorher keinen Platz hatte. Dazu kommen  ganz handfeste Faktoren wie Schlafmangel vor der Reise, lange Anfahrten,  Klimaanlagen, ungewohnte Tagesrhythmen oder schlicht ein Virus, das sich leider  nicht für unseren Urlaubsplan interessiert. 

Vielleicht müssen wir deshalb nicht jeden Moment der ersten Urlaubstage retten.  Wenn der Körper schlafen möchte, darf er schlafen. Auch wenn draußen gerade  perfektes Wanderwetter ist.

Irgendwann taucht dieser Blumenkübel auf 

Das Interessante beginnt häufig dann, wenn wir tatsächlich langsamer werden. Die Umgebung verändert sich natürlich nicht. Aber unsere Wahrnehmung tut es. 

Plötzlich fällt der erwähnte Blumenkübel auf. Oder die alte Holzbank unter einem  Baum, an der man seit zwei Tagen vorbeigeht. Man merkt, dass morgens ein ganz  anderes Licht im Zimmer liegt als am Abend. Man hört Kirchenglocken, Wasser,  Vogelstimmen oder das Klappern von Geschirr aus dem Frühstücksraum, ohne dass  gleichzeitig fünf andere Gedanken dazwischenfunken. 

Vielleicht ist das einer der schönsten Effekte des Reisens: Die Welt bekommt wieder  Details. 

Im Alltag bewegen wir uns oft durch vertraute Räume, ohne sie noch bewusst  wahrzunehmen. Im Urlaub ist zunächst alles neu. Und sobald der innere Lärm etwas  leiser wird, haben diese Eindrücke plötzlich Platz. 

Farben spielen dabei eine spannende Rolle. Eine Landschaft in Blau und Grün, warmes  Abendlicht, Naturmaterialien oder die kräftigen Farben einer mediterranen Umgebung  können die Wahrnehmung eines Ortes stark prägen. Hans hat diesem Thema hier auf  dem Blog einen eigenen Beitrag gewidmet und beschreibt darin, wie Farben unsere  Psyche und unser Stresslevel beeinflussen können.

Mir gefällt an diesem Gedanken besonders, dass man damit etwas versteht, das wir  auf Reisen ständig erleben: Erinnerungen bestehen selten nur aus Fakten. 

Wir erinnern uns nicht an „Zimmer 214, vier Sterne, 28 Quadratmeter“. Wir erinnern uns daran, wie morgens die Sonne durchs Fenster fiel. Was war es eigentlich, das so gutgetan hat? 

Diese Frage finde ich nach einer Reise fast interessanter als die klassische: „War der  Urlaub schön?“ 

Denn natürlich war er hoffentlich schön. Aber warum

War es wirklich die Woche am Meer – oder die Tatsache, dass du jeden Morgen eine  Stunde draußen gefrühstückt hast? 

War es die Therme – oder dass dein Telefon vier Stunden im Spind lag? 

War es das Hotel – oder der Luxus, abends nicht noch schnell irgendetwas erledigen  zu müssen? 

War es die Bergluft – oder dass du jeden Tag mehrere Kilometer gelaufen bist und  dabei nicht auf einen Bildschirm geschaut hast? 

War es der Urlaubsort – oder einfach die Tatsache, dass du einmal nicht permanent  erreichbar warst?

Solche Fragen verändern den Blick auf Erholung. Denn plötzlich wird aus dem großen,  schwer reproduzierbaren „Urlaubsgefühl“ etwas Konkreteres. 

Natürlich können wir das Meer nicht mit nach Hause nehmen. Den Berg auch nicht.  Und niemand wird versuchen, aus dem heimischen Badezimmer eine echte  Thermenlandschaft zu bauen. 

Aber manches lässt sich wirklich gut übersetzen.

Das Urlaubsgefühl steckt oft in sehr kleinen Dingen 

Nach einem schönen Urlaub nehmen wir uns gern Großes vor. Ab jetzt mehr  Gelassenheit. Weniger Handy. Mehr Bewegung. Besser schlafen. Jeden Morgen  meditieren. Regelmäßig Yoga. Häufiger raus in die Natur. 

Zwei Wochen später suchen wir morgens beim Zähneputzen gleichzeitig nach einer  Mail und fragen uns, wann genau das mit der neuen Gelassenheit eigentlich  schiefgegangen ist. 

Vielleicht liegt es daran, dass große Vorsätze zu unserem alten Muster passen: Auch  Erholung soll möglichst effizient und konsequent umgesetzt werden. 

Kleine Rituale sind weniger beeindruckend, aber häufig realistischer. 

Kaffee oder Tee am Morgen, bevor das Telefon eingeschaltet wird. Zehn Minuten  draußen nach der Arbeit. Ein Spaziergang nach dem Abendessen. Ein Abend, an dem  nichts verabredet ist. Im Sommer auf dem Balkon frühstücken, obwohl Mittwoch ist.  Ein Buch neben das Bett legen und das Smartphone ein Stück weiter weg. 

Eine Person die Musik zum Schlafen benutzt

Entscheidend ist nicht, dass sich das spektakulär anfühlt. Entscheidend ist, dass wir  damit kleine Situationen schaffen, in denen unser System nicht sofort wieder auf den  nächsten Reiz reagieren muss. 

Besonders spannend finde ich dabei Gerüche. Ein Duft kann einen erstaunlich direkt  zurück an einen Ort holen. Sonnencreme riecht für viele Menschen nach Sommer,  Fichtennadeln nach Bergen, ein bestimmtes Duschgel plötzlich nach diesem einen  Hotel. 

Hans hat hier auf dem Blog über sein ganz persönliches Ritual mit Lavendelöl geschrieben, das ihn seit Jahren begleitet und das er unter anderem am Abend  verwendet. 

Vielleicht ist es bei dir Lavendel. Vielleicht Kaffee, Holz, ein bestimmter Tee oder die  Bodylotion aus dem Urlaub. Das Entscheidende ist nicht, einen möglichst originellen  Entspannungsduft zu finden. Spannend ist vielmehr, wie solche kleinen  Sinneseindrücke zu einem Signal werden können: Der Tag verändert jetzt sein Tempo. 

Der eigentliche Trick ist, früher zu merken, wenn wir wieder  hochfahren 

Nach einigen ruhigen Tagen entsteht noch etwas Wertvolles: ein Vergleich.

Plötzlich wissen wir wieder, wie sich unser Körper anfühlt, wenn wir nicht permanent  unter Strom stehen. Der Atem ist ruhiger. Die Schultern sind lockerer. Vielleicht schläft  man besser. Vielleicht hat man beim Essen nicht das Gefühl, eigentlich schon beim  nächsten Termin sein zu müssen. 

Zurück im Alltag verschwindet dieser Zustand natürlich irgendwann wieder ein Stück  weit. 

Aber vielleicht merken wir es jetzt früher. 

Dass der Kiefer wieder fest wird. 

Dass wir seit einer Stunde sehr flach atmen. 

Dass wir beim Frühstück drei Nachrichten beantworten, obwohl keine davon dringend  ist. 

Dass wir selbst am freien Abend schon wieder überlegen, was wir „noch sinnvoll  erledigen“ könnten. 

Das sind keine dramatischen Warnsignale, und daraus muss auch kein neues  Gesundheitsprojekt entstehen. Manchmal reicht schon die Beobachtung: Interessant,  da ist es wieder. Mein System fährt gerade hoch. 

Dann lässt sich zumindest entscheiden, ob es wirklich notwendig ist.

Sieben Fragen, die mehr bringen können als ein guter Vorsatz 

Bevor der Urlaub komplett hinter Wäschebergen und dem ersten vollen Arbeitstag  verschwindet, lohnt sich ein kurzer Rückblick. Nicht auf Sehenswürdigkeiten oder  Restauranttipps, sondern auf das eigene Erleben: 

  1. Wann habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich wirklich angekommen bin? 2. Was habe ich im Urlaub automatisch weniger gemacht? 
  2. Was habe ich dort ganz selbstverständlich mehr gemacht? 
  3. Welche Situationen haben mich besonders ruhig werden lassen? 5. Welche Sinneseindrücke – Licht, Farben, Gerüche, Geräusche – verbinde ich mit  dieser Reise? 
  4. Was davon könnte auch zu Hause stattfinden, ohne daraus gleich ein neues  Pflichtprogramm zu machen? 
  5. Woran merke ich normalerweise als Erstes, dass mein Stresslevel wieder steigt? 

Die Antwort darf übrigens vollkommen unspektakulär sein. 

Vielleicht lautet sie: morgens draußen sitzen. 

Dann ist genau das möglicherweise mehr wert als der Vorsatz, ab sofort ein völlig  neuer Mensch zu werden. 

Und dann wäre da noch die Rückreise 

Es gibt eine sehr effektive Methode, einen erholsamen Urlaub innerhalb weniger  Stunden wieder auf Alltagstemperatur zu bringen: Sonntagabend spät nach Hause  kommen, die Koffer im Flur öffnen, noch schnell zwei Waschmaschinen anstellen und  am Montagmorgen um halb sieben wieder los.

Manchmal lässt sich das nicht vermeiden. Wenn es möglich ist, lohnt sich allerdings  ein kleiner Puffer. 

Ein Nachmittag zu Hause kann reichen. Einkaufen, Koffer auspacken, die Reise  langsam beenden, vielleicht noch einmal spazieren gehen und nicht sofort überprüfen,  was während der Abwesenheit alles passiert ist. 

Denn auch zurück müssen wir ein Stück weit wieder ankommen. 

Eine Reise endet schließlich nicht zwingend in dem Moment, in dem die Haustür  aufgeht – genauso wenig, wie sie mit dem Check-in automatisch wirklich begonnen  hat. 

musik für meditation

Fazit: Vielleicht ist genau das die eigentliche Erholung 

Wir fahren in den Urlaub und erwarten manchmal, dass Erholung wie eine  Hotelleistung funktioniert: gebucht, angekommen, verfügbar. 

So einfach ist es offenbar nicht. 

Wir bringen unseren Alltag mit. Den Zeitdruck, die Gewohnheit, ständig auf etwas zu  reagieren, manchmal auch die Erschöpfung, die wir vorher kaum wahrgenommen  haben. Und dann dauert es eben ein wenig, bis die Welt wieder langsamer wird. 

Bis dieser Blumenkübel auftaucht, der natürlich die ganze Zeit dort stand. Bis wir merken, wie schön das Licht gerade ist. 

Bis ein Frühstück keine Lücke zwischen zwei Programmpunkten mehr sein muss und  ein Nachmittag nicht deshalb gut war, weil besonders viel passiert ist. 

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Reisen uns so guttun können. Sie  zeigen uns nicht nur einen anderen Ort. Manchmal zeigen sie uns auch eine Version  unseres eigenen Alltags, in der nicht jede Minute gefüllt sein muss. 

Mit nach Hause nehmen können wir diesen Zustand nicht vollständig. Aber wir können uns merken, wie er sich angefühlt hat. 

Und beim nächsten Mal vielleicht ein bisschen früher bemerken, wenn wir ihn wieder  verlieren.

Über den Autor

Gastautor Linda Schober

Linda Schober ist Mitgründerin des Reiseveranstalters Wellturana, spezialisiert auf  Wellness-, Genuss- und Aktivreisen in Deutschland und Europa. Zuvor war sie in  leitenden Positionen für renommierte Reiseveranstalter tätig, verantwortete unter  anderem große Hoteleinkaufsteams und hat im Laufe ihrer Karriere mehr als 2.000  Hotels persönlich besucht und touristisch entwickelt. Ihre journalistischen Wurzeln  liegen beim Heinrich Bauer Verlag; bis heute ist sie immer wieder redaktionell und  journalistisch tätig.

Häufige Fragen zu Stress und Erholung im Urlaub 

Warum brauche ich im Urlaub oft ein oder zwei Tage zum Abschalten? 

Nach einer intensiven Arbeits- oder Alltagsphase laufen Gedanken und gewohnte  Reaktionsmuster zunächst weiter. Die Erholungsforschung spricht unter anderem von  „psychological detachment“, also dem gedanklichen Abstand zur Arbeit. Dieser  entsteht nicht automatisch dadurch, dass wir physisch an einem anderen Ort sind. 

Ist es normal, im Urlaub plötzlich sehr müde zu werden? 

Das kann vorkommen. Besonders nach anstrengenden Wochen fällt Erschöpfung  manchmal erst dann richtig auf, wenn äußere Anforderungen nachlassen. Zusätzlich 

können wenig Schlaf vor der Abreise, die Anreise selbst und ein veränderter  Tagesrhythmus müde machen. 

Warum werde ich manchmal ausgerechnet zu Beginn des Urlaubs krank? 

Das Phänomen wurde unter dem Begriff „Leisure Sickness“ untersucht. Eine  Pilotstudie fand eine kleine Gruppe von Menschen, die wiederholt an Wochenenden  oder im Urlaub über Beschwerden berichteten. Die genauen Ursachen sind nicht  abschließend geklärt; hohe Arbeitsbelastung und Schwierigkeiten beim Wechsel  zwischen Arbeit und Freizeit wurden als mögliche Zusammenhänge beschrieben. 

Wie kann ich im Urlaub schneller abschalten? 

Es hilft meist wenig, auch die Erholung unter Erfolgsdruck zu setzen. Sinnvoller kann  es sein, gerade zu Beginn der Reise weniger fest zu planen, Schlaf nachzuholen und  Zeiten zuzulassen, in denen kein Programmpunkt wartet. Auch Bewegung, Natur und  bewusste Distanz zur Arbeit können die Erholung unterstützen. 

Wie kann ich etwas vom Urlaubsgefühl in den Alltag retten? 

Am besten nicht, indem du den gesamten Urlaub nachbauen möchtest. Überlege  stattdessen, was dir konkret gutgetan hat. Vielleicht waren es Spaziergänge, weniger  Smartphone-Zeit, längeres Frühstücken, bestimmte Gerüche oder einfach unverplante  Stunden. Je kleiner und konkreter das Ritual ist, desto eher lässt es sich auch an  einem normalen Mittwoch beibehalten. 

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Linda Schober

Linda Schober ist Mitgründerin des Reiseveranstalters Wellturana, spezialisiert auf Wellness-, Genuss- und Aktivreisen in Deutschland und Europa. Zuvor war sie in leitenden Positionen für renommierte Reiseveranstalter tätig, verantwortete unter anderem große Hoteleinkaufsteams und hat im Laufe ihrer Karriere mehr als 2.000 Hotels persönlich besucht und touristisch entwickelt. Ihre journalistischen Wurzeln liegen beim Heinrich Bauer Verlag; bis heute ist sie immer wieder redaktionell und journalistisch tätig.

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